Was ist gutes Futter?

Gutes Tierfutter hat hochwertige Zutaten und optimale Nährstoffgehalte

Katzenfutter Hundefutter

Was Dein Essen von Tiernahrung unterscheidet

Wenn Du im Supermarkt Dein Obst und Gemüse kaufst oder Dir abends Nudeln mit Hackfleischsoße machst, denkst Du dann darüber nach, wieviel Proteine oder mehrfach-ungesättigte Fettsäuren Du isst? Höchstwahrscheinlich nicht. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Hier bei uns in Deutschland ist es schwer, dass Du einen Mangel an Nährstoffen bekommst, solange Du Dich abwechslungsreich und in ausreichend hoher Qualität ernährst.

Deswegen geht heute mal ein Burger mit Pommes, dafür machst Du Dir aber morgen wieder einen frischen Salat. Die einzigen Fragen, die Du Dir beantworten musst, sind daher: Was schmeckt mir? Welches Restaurant ist schöner eingerichtet? Welches Fleisch ist beim Metzger im Angebot? Da liegt es nah zu fragen, ob es nicht auch okay ist das Futter für Deine Haustiere so auszuwählen, einfach zu schauen, ob Äpfel vom Bodensee drin sind oder Fleisch aus Niederbayern. Aber so einfach ist es nicht!

Stell Dir vor, Du willst mit Deiner Ernährung nicht einfach nur satt werden, sondern bestimmte Ziele erreichen. Abnehmen zum Beispiel. Oder Muskelmasse aufbauen. Oder die Symptome einer Krankheit lindern. Dann musst Du auf einmal ins Detail gehen und schauen, was Du tatsächlich an Energie zu Dir nimmst oder welche Nährstoffe in welchem Verhältnis in Deiner Tagesration stecken.

Die Anforderungen an Hundefutter und Katzenfutter – vor allem wenn es ein Alleinfuttermittel sein soll – liegen genauso hoch wie bei einem auf Dich zugeschnittenen Ernährungsplan! Klar, dass man ganz schön viel Wissen braucht zu Ernährungsphysiologie, zum Nährstoffbedarf von Hund und Katze und zur Beschaffenheit von Rohstoffen, um all die Anforderungen zu erfüllen, die ein wirklich gutes bedarfsgerechtes Futter ausmachen, oder?

Früher war alles einfacher (aber nicht so gut)

Kannst Du Dich erinnern, wie einfach die Fütterung von Hunden und Katzen noch vor fünfzehn, zwanzig Jahren war? Im Fachhandel gab es drei Futtermarken, im Supermarkt vielleicht zwei. Kampfbegriffe wie „hochwertig“, „Fleischanteil“ oder „getreidefrei“ waren noch nicht erfunden worden. Tierfutter wurde gemacht von Leuten, die sich auskannten mit dem Nährstoffbedarf unserer Haustiere, also wussten, wieviel Proteine, Fette und Vitamine Hunde und Katzen brauchen. Diese Fachleute kombinierten dann Fleisch, Karotten und Mineralstoffe so, damit der Nährstoffbedarf durch das Futter gedeckt wird.

Weniger Gedanken machten sich die Hersteller aber leider über die Qualität der Rohstoffe, also was denn da genau reinkommt ins Futter. So erhöhten sie beispielsweise den Rohfasergehalt durch Zellulosefasern, statt Karotten oder Pastinaken zu verwenden. Und zum Erreichen eines bestimmten Proteinwerts setzten sie statt hochwertiger Fleischproteine biologisch minderwertigere Bindegewebsabschnitte ein.

Heraus kamen auf der einen Seite professionell konzipierte Futter, die alle Nährstoffe enthielten, die Hund oder Katze benötigen. Das ist der Grund, warum die Tiere früher auch mit solchem Futter alt geworden. Lass‘ Dir hier keine Märchen erzählen, dass das anders war, das stimmt einfach nicht! Auf der anderen Seite aber war die Qualität der verwendeten Rohstoffe mäßig. Und was das bedeutet, kannst Du Dir ungefähr so vorstellen, wie wenn Du Dich tagaus, tagein von Fastfood ernährst. Davon wirst Du zwar satt, aber so richtig wohl fühlst Du Dich auch nicht, oder?

Und so standen sie dann in den Regalen: diese Dosen und Beutel voller Rübentrockenschnitzel und pflanzlicher Eiweißextrakte. Dafür aber mit optimalen Mineralstoff- und Vitamingehalten. Immerhin.

Futterhändler

Dann kam die Attacke der Qualitätskrieger

Vor ungefähr zehn Jahren entdeckten dann die ersten Unternehmen das Feindbild „schlechte Qualität“ für sich. Plötzlich war es nicht mehr wichtig, wieviel Nährstoffe im Futter sind, sondern nur noch, ob Filetstücke, glutenfreie Kohlenhydrate und Superfood verarbeitet wurde. Statt Ernährungsexperten standen auf einmal Marketinghipster am Steuerrad, die uns das Märchen vom Wolf erzählten (die sieben Geißlein ließen sie weg). Ja, die bis dahin erhältliche Qualität des Futters war weitgehend schlecht. Und deshalb war es richtig, Futter mit besseren Rohstoffen zu machen und für das Thema zu sensibilisieren. Was aber oft vergessen wird ist, dass ein Futter in erster Linie die Tiere optimal mit allen Nährstoffen versorgen muss, die sie brauchen.

Es kommt also erstmal gar nicht darauf an, aus welchen Rohstoffen das Futter gemacht ist, sondern welche Nährstoffe drin sind. Das ist ein wichtiger Unterschied, über den es sich lohnt kurz einmal nachzudenken. Rohstoffe sind z. B. Lammfleisch, Kartoffeln, Lachsöl usw. Also all die Zutaten, mit denen viele Hersteller gerne werben, weil sie so gut aussehen und sich so gut anhören und Du deshalb denken sollst: „Wow, so viele gute Sachen drin, das muss ja ein gutes Futter sein.“ Und genau deswegen werden Dir ja auch die ganzen Bildchen gezeigt oder gesagt: „Unser Futter ist mit Bananen, das macht es so besonders.“.

Nährstoffe sind die lebensnotwendigen Stoffe, die IN den Rohstoffen drin sind – oder eben nicht (also z. B. Proteine, Fette, die verschiedenen Mineralstoffe etc.). Dein Hund oder Deine Katze hat einen Bedarf an eben diesen Nährstoffen, und nicht an Rohstoffen. Das ist wichtig, dass Du Dir das nochmal klar machst! Wenn ein Katzenfutter beispielsweise zu wenig Taurin enthält, dann wird Deine Katze durch diese Mangelernährung krank werden, ganz egal, ob ansonsten nur das feinste Fischfilet drin ist und Fleisch von den glücklichsten Hühnern. Bei Hunden gilt natürlich das Gleiche.

Außen hui, innen pfui

Heute ist der Tierfuttermarkt geradezu überschwemmt von „Marketingfutter„, gemacht von Leuten, die wissen, wie man schöne Fotos macht, aber weniger wie ein Tier optimal ernährt wird. Warum ist das so? Der Vorteil eines Futters, das die Qualität der Rohstoffe in den Mittelpunkt rückt, z. B

  • „Rohstoffe aus der Lebensmittelproduktion“
  • „Fleisch in Bio-Qualität“
  • „keine minderwertigen Bindegewebsproteine

oder das sich durch die Verwendung spezieller Zutaten abheben will, beispielsweise

  • „Fisch aus der Nordsee“
  • „mit Bananen“
  • „aus Freilandhaltung“

ist, dass Du Dir auch als geübter Laie eine Beurteilung dieser Futter zutraust. Wenn man nicht weiß, was ein bestimmter Mineralstoffgehalt aussagt und wann es wichtig ist, einen bestimmten Wert einzuhalten, dann lenkt man eben den Blick des Kunden .- Deinen Blick – auf diese eingängigeren Aspekte, auch wenn sie mehr oder weniger irrelevant sind.

So gibt es einige Futter, die zwar eine wohlklingende Rezeptur haben, aber deren Calcium- oder Rohfasergehalte unterirdisch sind, weil es mittlerweile häufig nur noch auf Kriterien ankommt, die aus ernährungsphysiologischer Sicht unwichtig sind! Beispielsweise ist Getreide i. d. R. überhaupt kein Problem für Deinen Hund, aber in der Marketing-Tierfutterszene ist ein Futter, das Getreide enthält, nahezu unverkäuflich. Wir haben dazu mal einen Blogbeitrag mit Video gemacht, in dem Gregor genau auf dieses Thema eingeht. Schau doch gerne mal rein: LINK

Dann doch lieber Selberkochen?

Aus dieser von den Herstellern mitverursachten Verunsicherung der Tierhalter und dem teilweise daraus resultierenden mangelnden Vertrauen in kommerzielles Fertigfutter hat sich die Selberkochbewegung entwickelt. Und auch viele BARFer haben diesen Motivationshintergrund. Wenn Du ohnehin nicht mehr weißt, wem Du glauben sollst und wenn es bei der Hunde- und Katzenfütterung sowieso nur noch um wenige Schlagworte geht („kein Getreide“, „maximal Fleisch“, „Superfood ist Pflicht“), dann kann ich das auch selber machen, denken sich manche. Aber funktioniert das denn so reibungslos? Nein, eben nicht!

Die Uni München sammelt ab und zu Ernährungspläne ein, anhand derer Hunde (und Katzen) gefüttert werden, d. h. die Mitarbeiter erkundigten sich bei BARFern und Selberkochern, was genau deren Tiere zu fressen bekommen. Dann wird ausgewertet, ob die Hunde und Katzen, denen diese zusammengestellten Rationen verfüttert werden, ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen, Energie usw. versorgt sind.

Was glaubst Du, was da regelmäßig rauskommt? Nur ein Drittel der selber zusammengestellten Rationen ist richtig konzipiert. Nur ein Drittel! Solche Fehlversorgungen kann ich als Tierarzt durch meine eigenen Erfahrungen nur bestätigen. Immer wieder kommen Leute zu uns nach Cham, deren Hunde schon rein optisch einen Mangel haben. Rohstoffqualität ist wichtig, aber nur die eine Seite der Medaille eines guten Futters. Die besten Fleischstücke bringen wenig, wenn das Futter nicht genug Jod, Mangan oder B-Vitamine enthält. Lass Dich daher nicht völlig vereinnahmen von den schönen Geschichten und tollen Bilder, die Dir einige Hersteller präsentieren, sondern frag auch nach tatsächlicher Kompetenz.

Gutes Futter: nochmal zusammengefasst!

Zuallererst kommt es bei einem Futter nicht darauf an, aus welchen Rohstoffen es gemacht ist, sondern welche Nährstoffe drin sind. Hochwertige Rohstoffe sind zwar oft auch reicher an Nährstoffen, aber bei einem Futter ist erstmal entscheidend, dass es den Nährstoffbedarf Deines Hundes oder Deiner Katze optimal deckt. Es gibt Futter aus hochwertigen Rohstoffen, die von manchen Mineralstoffen oder Vitaminen viel zu wenig enthalten und von anderen wiederum viel zu viel. Solch ein Futter wird Deine Haustiere auf Dauer krank machen, ganz gleich ob es von guter Qualität ist (Deswegen sagen wir: „Nährstoffe vor Rohstoffen!.“). Dass die Nährstoffe so wichtig sind ist auch der Grund, warum manche Futter, die aus eher minderwertigen Komponenten bestehen, trotzdem in Futtertests gut abschließen können: weil dort fast ausschließlich die Nährstoffgehalte überprüft werden. (Dass die Gesamtqualität des Futters aber nicht stimmt, darüber sagen solche Tests nichts aus.)

Aber auch die Qualität der Rohstoffe, also des Fleischs und anderer verwendeter Zutaten, ist wichtig. Aber es ist gar nicht so einfach zu sagen, was Qualität wirklich ist (Deswegen testet beispielsweise Stiftung Warentest auch fast ausschließlich die Nährstoffe und bewertet nicht die Qualität!). Einigen kann man sich aber sicher darauf, dass ein gutes Futter so viel Nährstoffe wie möglich aus den natürlichen Rohstoffen erhalten sollte. Und das geht nur mit nährstoffreichen, hochwertigen Grundstoffen. Aber Vorsicht: Qualität heißt nicht, dass ein paar schöne Bildchen auf dem Etikett abgebildet sind oder Pseudo-Merkmale draufstehen! Vorsicht auch vor „modernen“ Herstellern, denen zur Beurteilung des wichtigsten Kriteriums eines guten Futters – der Nährstoffversorgung – die Kompetenz fehlt. Diese lassen sich ein Futter zusammenmischen, dessen Rezeptur sie nicht entwickelt haben und nicht beurteilen können, und konzentrieren sich dann darauf, Dir eine Story zu erzählen, die sich gut anhört. Bleibe skeptisch gegenüber solchen „Marketing-Herstellern“.