Getreidefreies Futter kann auch scheiße sein …

Hallo Ihr.

Hier also mein erster Beitrag zu einem Fachthema. Es geht um getreidefreies Futter. Das ist doch mal spannend, oder? Der Titel klingt – zugegeben – erstmal etwas hart formuliert, aber er passt zu dem Video, dass wir ganz aktuell auf unseren YouTube-Kanal hochgeladen haben. Apropos „hart formuliert“: Schaut Euch doch gerne nochmal unsere Startseite an. Wir sind nochmal in uns gegangen und haben dann versucht zu beschreiben, wie wir denken, fühlen und demzufolge auch arbeiten. Damit Ihr besser entscheiden könnt, ob wir die Menschen sind, die zu Euch passen. Glaubt Ihr, das spielt keine so große Rolle, wenn Ihr lediglich unser Futter kaufen wollt? Das sehe ich anders. Ich glaube, dass wir alle zuerst entscheiden, ob ein Unternehmen zu uns passt – wie die Menschen dort sind, wofür sie stehen, was deren Ziele sind usw. – und erst im zweiten Schritt sagen wir dann auch ja zu einem Produkt dieses Unternehmens. In unserem Fall Tierfutter. Wie seht Ihr das? Auf Eure Antworten bin ich sehr gespannt.

Aber nun zuerst mal unser neues Video auf YouTube (und danach schreibe ich die Inhalte etwas zusammengefasst auf):

Gleich vorneweg, bevor sich einer beschwert: Das Weißbier (oder Weizen, wie man in meiner Heimat Hessen sagt) ist selbstverständlich alkoholfrei. Franziskaner, für die ganz Neugierigen. Was denkt Ihr über das Video? Sind Euch die Inhalte neu gewesen oder habt Ihr sogar eine andere Meinung dazu? Da bin ich mal sehr gespannt.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Es gab (und gibt) sehr viele schlechte Futter. Diese Futter enthalten häufig:

  • Restprodukte aus allen denkbaren Industrien, die irgendwie zusammengekratzt wurden
  • Rohstoffe mit niedrigem Nährstoffgehalt
  • viele Zutaten, die nicht der Gesundheit unserer Tiere dienen, sondern technologischen oder geschmacksverstärkenden Nutzen haben
  • sehr viele Zusatzstoffe (um die niedrigen Nährstoffgehalte der minderwertigen Inhaltsstoffe auszugleichen)
  • Getreide (als Energielieferant)

Gleichzeitig enthalten sie NICHT:

  • hochwertige Fleischteile
  • so viel Vitamine und Mineralstoffe wie möglich aus den natürlichen Rohwaren

Wie man sehen kann hat ein schlechtes Futter einen ganzen Haufen negativer Eigenschaften, und hat zusätzlich positive Eigenschaften NICHT (und die Liste ist sicher nicht vollständig). Hierzu stelle ich drei Behauptungen auf:

  1. Bei einem schlechten Futter ist „Getreide“ häufig nur ein einziges Merkmal. Was das Futter schlecht macht sind aber die vielen anderen Merkmale, nicht das Getreide.
  2. Getreide als Stärke- und damit Kohlenhydratlieferant ist kein schlechter Rohstoff für Hunde. Aus Getreide kann der Hund effizient Energie gewinnen.
  3. Es gibt gute Futter, die Getreide enthalten und die sich hinter keinem getreidefreien Futter verstecken müssen. Gleichzeitig gibt es (und das ist sogar der größere Punkt) getreidefreie Futter, die schlecht sind!
Zum ersten Punkt:

Getreide wird häufig synonym gebraucht für „schlechtes Futter. Das ist falsch. In meinen Augen kommt das daher, weil es einfach ist unter der Zusammensetzung eines Futters nach Getreide zu suchen, statt die anderen Merkmale eines Futters – Qualität der Rohstoffe, biologische Wertigkeit, Ausgewogenheit der Rezeptur usw. – zu beurteilen. Daher haben sich manche Hersteller den Marketingbegriff „getreidefrei“ ausgedacht und Euch erzählt, dass Ihr ein Futter so schnell beurteilen könnt. Damit haben sie Euch aber auf einen Holzweg geführt.

Zum zweiten Punkt:

Der Hund ist kein Wolf (mehr). Seine Verdauungsleistung für Kohlenhydrate ist im Vergleich zum Wolf deutlich erhöht (ungefähr 10-20x mehr). Dazu gibt es eindeutige Studien. Das ist sinnvoll, denn Hunde sind zusammen mit dem Menschen sesshaft geworden und haben sich mit ihm zusammen an eine Nahrung gewöhnt, die einen deutlichen Anteil Kohlenhydrate enthält. Wäre der Hund nicht so anpassungsfähig gewesen, dann wäre er nicht zum „besten Freund“ des Menschen geworden. Kohlenhydrate, also vor allem Stärke (die in Getreide enthalten ist), sind sehr gute Energielieferanten für den Allesfresser Hund.

Zum dritten Punkt:

Nur weil ein Futter Getreide enthält heißt das nicht, dass es von minderer Qualität ist. Getreide liefert gut nutzbare Energie für Hunde. Viel wichtiger ist, dass die anderen Zutaten eines Futters gut sind, dass möglichst nährstoffreiche Rohstoffe verwendet werden und keine Dinge, die im Zweifel sogar noch schädlich sind (z. B. Zucker). Dann kann auch ein getreidehaltiges Futter sehr gut sein. Auf der anderen Seite muss ein gutes Futter natürlich kein Getreide enthalten. Auch Kartoffeln, Reis u. a. liefern gut verfügbare und effizient umsetzbare Energie für den Hund. Aber denkt dran: Ein Hund braucht Kohlenhydrate! Reine Fleischfütterung ist für den Allesfresser Hund nicht geeignet. Und Vorsicht: Es gibt eine Menge Futter, die ohne Getreide produziert wurden, die aber viel zu viel oder viel zu wenig Nährstoffe enthalten, die ungeeignet zusammengesetzt sind usw. Genau wie sie Euch erzählen, dass es (fast ausschließlich) auf Getreidefreiheit ankommt, so handeln auch viele Hersteller selber: Sie mischen irgendwas zusammen – natürlich kein Getreide – und denken dann, sie hätten ein gutes Futter gemacht. Das haben sie nicht! Zumindest nicht zwangsläufig.

So, das war ungefähr die Zusammenfassung des Videos. Was denkt Ihr über die Dinge, die ich angesprochen habe? Könnt Ihr was damit anfangen? Oder seid Ihr jetzt vor den Kopf gestoßen? Nur eine Sache noch: Ich finde Blogs ärgerlich und langweilig, denen man schon an der Nasenspitze ansieht, dass sie nur dazu dienen, den eigenen Kram zu verkaufen. Daher folgende Info: Wir haben (noch) kein einziges Futter mit Getreide! Wir haben gutes Futter OHNE Getreide, z. B. mit Kartoffeln oder Süßkartoffeln. Nur unser pro-SCHONKOST für Hunde enthält Reis, wie Ihr aus dem Video wisst ein „Pseudo-Getreide“. 🙂 Das Thema liegt mir daher am Herzen und ist keine Verkaufsshow.

 

Und jetzt kommt Ihr. Ich würde mich sehr über Eure Gedanken dazu freuen. Euch allen ein schönes Wochenende und bis bald.

 

Euer Tierarzt Gregor Berg

4 Kommentare

  • von Silvi
    Geposted vor 14. März 2020 14:42 0Likes

    Hallo Gregor,
    Danke erstmal für dieses Video. Sehr gut erklärt, allerdings befürchten wir dass die Leute nur verinnerlichen dass Getreide gar nicht schlimm ist und überhören dass es auch um die Qualität der Zusammensetzung geht . Somit werden viele weiter denken dass ein Futter welches in der Inhaltsstoffluste mit Kartoffel, eeis, Weizen etc beginnt gut sein könnte auch wenn dann nur Geflügelproteine oder dergleichen viel weiter hinten in der Zutatenliste stehen. Vielleicht magst du mal ein Video über die Inhaltsliste auf Futtermitteln machen, wo du erklärst wie man sie richtig interpretiert und klärst nach und nach auf welche Zutaten notwendig sind und welche nicht. Lg silvi und Markus von der Tiersnackeria

    • von Dr. Gregor Berg
      Geposted vor 17. März 2020 13:40 0Likes

      Hallo Ihr, vielen Dank für Euren Kommentar. Ja, das ist immer die Kehrseite, wenn man etwas überspitzt formuliert, dass dann wiederum die anderen Aspekte, z. B. Qualität und Art der Inhaltsstoffe übersehen werden. Ich mache dazu gerne mal ein Video. Alles Gute Euch erstmal und viel Erfolg weiterhin mit der Tiersnackeria. 🙂

  • von Josefina
    Geposted vor 13. Juli 2020 15:43 0Likes

    Ein sehr interessantes Video und endlich mal jemand der es ausspricht und auf den Punkt bringt. Der ganze „Umso mehr Fleisch desto besser“ Hype regt mich schon länger auf. Mittlerweile durfte ich einige Hunde kennen lernen die kaputt gebarft wurden da man kopflos Fleisch in den Napf geworfen hat oder Hunde die an Nährstoffmangel leiden, da sie ein nicht bedarfsdeckendes Fertigfutter bekommen, das nicht als solches deklariert ist. Aber Hauptsache einen Wolf auf der Verpackung oder im Namen, möglichst viele Kräuter weil es sich gut anhört und einen Proteingehalt der durch die Decke schiesst. Na und eben getreidefrei. Aber dafür dann eine ganze Ladung Erbsen und Bohnen – wohl bekomms. Um ein gutes Futter zu erkennen muss man sich eben doch etwas mit der Thematik beschäftigen, aber das tun viele Hundehalter leider nicht und werden dann vielfach falsch beraten, da offensichtlich auch Fachhandel, Züchter und Hundetrainer nicht immer bestens informiert sind oder nur aus Profit handeln.

    • von Dr. Gregor Berg
      Geposted vor 14. Juli 2020 16:06 0Likes

      Hallo Josefina, ich freue mich sehr über Ihren tollen Kommentar! Die Themen, die Sie ansprechen, sind genau die, die wir auch als wichtig erachten und in die wir gerne mehr Klarheit bringen möchten. Es gibt ein paar Dinge, die man beachten sollte, wenn man seinen Hund optimal ernähren will, aber oft herrscht hier völliges Unwissen, während Nebensächlichkeiten total aufgeblasen werden. Die Menschen wollen ihre Tiere gut füttern, lassen sich dann aber abspeisen mit bunten Bildchen und erfundenen Geschichten. Ich glaube, dass es oftmals wirklich mangelnde oder fehlerhafte Informationen sind, die „Fachleute“ dazu bringen, schlecht zu beraten. Sie sind also nur unwissend, aber handeln nicht in böser Absicht (zum Beispiel aus Profitgier). Dieses Unwissen, sowie die Verbreitung fehlerhafter Fakten und haltloser Fütterungsmärchen, sind die Punkte, in denen wir einen Unterschied machen wollen. Wir wollen den Menschen keine Geschichten erzählen, sondern so sein, dass man uns vertraut. Wir glauben nämlich, dass die Tierleute sich gar nicht so intensiv mit Fütterung beschäftigen wollen. Sie wollen nur keine Fehler machen und merken intuitiv, dass sie sich selber kümmern müssen, weil so viel Nonsens erzählt wird. Das wollen wir ändern! Wir wollen vertrauenswürdig sein. Auch wenn wir Gegenwind dafür bekommen. Gut so! Und Sie glauben gar nicht, wie sehr es uns motiviert, wenn Menschen wie Sie uns z. B. durch solche Kommentare unterstützen. Herzlichen Dank dafür, von Herzen. Ihr Gregor Berg

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