Kaltgepresstes Futter ist gut. Extrudiertes Futter ist besser, finden wir!

Hallo Ihr.

An dieser Stelle hab‘ ich eine ganze Weile nichts mehr von mir hören lassen. Das war größtenteils der (Anfangs-)Coronazeit geschuldet. Ich habe natürlich gesehen, dass andere Unternehmen, Futterhersteller oder Zoofachhändler es ganz anders gemacht haben und im Gegensatz zu uns eher umtriebig geworden sind, aber ich fand‘ das nicht gut. Bei den meisten (v. a. unternehmerischen) Wortmeldungen hatte ich immer das Gefühl, dass hier unter der Überschrift „Wir helfen euch durch die Coronazeit.“ die oft zu spürende Verunsicherung der Leute genutzt wurde, um den eigenen Absatz der Produkte massiv zu steigern. Und mich persönlich hat das eher abgestoßen als angezogen. Soviel zur Erklärung, warum wir auf Sendepause gedrückt hatten.

 

Rabatte sollen nicht Euch nützen, sondern den Herstellern und Händlern

Wir selber konnten v. a. am Anfang feststellen, dass zum einen sehr viele Bestellungen über den Onlineshop kamen, zum anderen auch pro Bestellung eine größere Futtermenge geordert wurde. Auch beim Tierfutter konnte man das Phänomen der Hamsterkäufe also beobachten. Obwohl ich die Menschen natürlich verstehen kann, so sehr war die Sorge unbegründet – zumindest was Futterlieferungen von uns betraf (und von den meisten anderen Herstellern, die ich kenne). Hier auch noch durch (geheuchelte) Benefiz-Aktionen wie „Ihr habt Angst, dass kein Futter mehr lieferbar ist? Deckt euch schnell ein und erhaltet sogar noch 20 % Rabatt.“ auf Tierfreunde den Druck und die Unsicherheit zu erhöhen, finde ich persönlich daneben. Aber das muss natürlich jeder für sich selber beurteilen.

 

Interessenkonflikte vs. Wahrheit

Nach dieser ersten Coronaphase nun also mein neuer Blogeintrag. Heute geht es um das Thema „Extrudiertes Futter“ bzw. um die Beantwortung der Frage, warum wir kein kaltgepresstes Futter anbieten. Eines Vorneweg: Natürlich bin auch ich auf den ersten Blick (oder genauer: das erste Hören) nur irgendeine Stimme, die Dinge behauptet. Also ja, bleibt vorsichtig und bewertet Informationen, die Ihr bekommt. Hier werdet Ihr große Unterschiede entdecken. Schaut hin, wer da etwas sagt. Und überlegt, was er für Interessen haben könnte. Ups, aber ich selber bin ja auch Geschäftsführer der Dr. Berg Tierhaltung GmbH … Ganz genau, möglicherweise könnte hier ein Interessenkonflikt bestehen. Vielleicht auch gerade deswegen ermuntere ich Euch genau hinzuschauen. Weil ich überzeugt bin, dass ich in erster Linie Tierarzt bin und Euch sage, was ich für richtig halte. Und nicht, was uns bei Dr. Berg oder sogar mir persönlich nützlicher ist. Ob mir das gelingt, das müsst Ihr für Euch selber entscheiden. Ich bin für jede Kritik in diese Richtung dankbar.

 

Vor- und Nachteile gibt es immer, man muss nur entscheiden, was einem wichtiger ist

Alles im Leben hat Vor- und Nachteile. Ein Sportwagen ist schnell, aber verbraucht viel Sprit und hat wenig Platz. Ein Bus hat viel Platz, verbraucht aber auch mehr als eine Limousine und ist eher langsam. Ein Kleinwagen verbraucht wenig, aber hat kaum Platz und bietet möglicherweise auch weniger Sicherheit für die Insassen. Tatsache ist: Jedes Auto wird in Deutschland gekauft und gefahren. Und zwar jeweils von Menschen, denen die Vorteile einer bestimmten Autokategorie wichtiger sind, als die Nachteile. Niemand hat allgemeingültig recht, jeder muss für sich wissen, was ihm wichtiger ist. Und wir als Hersteller sollten nicht so tun, als gäbe es eine eierlegende Wollmilchsau oder als wäre eine Futterart besser als eine andere. Das ist unseriös und erinnert mich an irgendwelche Gurus, die ihren Jüngern Dinge erzählen, die zweifelhaft sind. Und oft genug falsch. Denn was ich eben über Autos gesagt habe, gilt selbstverständlich auch für jede Futterart und Ernährungsweise. Man kann einen Hund – und mit kleinen Einschränkungen auch eine Katze – mit jeder Futterart bedarfsgerecht und gesunderhaltend ernähren. Oder eben auch falsch. Dass ein Futter optimal zusammengesetzt ist, dass gute Rohwaren verwendet werden und alle Nährstoffe drin sind, die Dein Tier braucht, darauf kommt es doch an! Ich finde es daher seltsam, wenn Hersteller immer wieder so exzessiv mit dem Herstellungsverfahren werben und dabei so tun, als wäre es grundlegend besser als andere Verfahren. So als würde es die Fleischqualität maßgeblich beeinflussen, ob ich das Steak brate oder grille … „Schonend gegart“ gibt es nämlich nicht! Entweder ich gare etwas, dann brauche ich Temperatur (mit allen Vor- und Nachteilen) oder ich gebe nur wenig Temperatur drauf, dann habe ich die Vor- und Nachteile, die daraus entstehen.

 

Kaltgepresstes und extrudiertes Futter im Vergleich

Vorteile extrudierten Futters:

  • hohe Verdaulichkeit mit guter Verträglichkeit durch weitestgehende Aufschlüsselung der Nährstoffe (v. a. für Kohlenhydrate wichtig)
  • gute Haltbarkeit durch geringen Keimgehalt nach der Herstellung
  • Frischfleisch kann (in relevanten Mengen) eingesetzt werden (abhängig von Fleischsorte ca. 30-40 % möglich)

Nachteile extrudierten Futters:

  • hohe Herstellungstemperaturen (bis ca. 180 Grad möglich – Anmerkung: unser Trockenfutter ungefähr im Extruder 110 Grad, bei der Trocknung 125 Grad) zerstören oder inaktivieren bestimmte, hitzelabile Vitamine

Vorteile kaltgepressten Futters:

  • durch niedrigere Herstellungstemperaturen werden weniger hitzelabile Nährstoffe zerstört oder inaktiviert

Nachteile kaltgepressten Futters:

  • geringere Verdaulichkeit durch geringere Temperaturen bei der Herstellung (Inhaltsstoffe werden z. T. nicht so gut aufgeschlossen)
  • geringere Haltbarkeit, u. a. durch höheren Ausgangskeimgehalt aufgrund der niedrigeren Herstellungstemperaturen
  • da die Futtermischung bei der Pressung sehr trocken sein muss, kann kein Frischfleisch direkt in der Futtermischung eingesetzt werden

Wenn man ein Alleinfutter will, dann haben sowohl kaltgepresste als auch extrudierte Futter zugesetzte Vitamine (als Ausgleich für die, die bei der Herstellung UND Lagerung verloren gehen, zerstört oder inaktiv werden). Ebenso werden beiden Futterarten Mineralstoffe zugesetzt (es sei denn, es ist eben kein Alleinfutter), da die Rohwaren nur unzuverlässige Gehalte an bestimmten Spuren- und Mengenelementen aufweisen.

 

Darum haben wir uns für extrudiertes Futter entschieden

Wir mögen es, wenn die Fütterung von Hund und Katze unkompliziert ist. Unkompliziert und hochwertig. Deswegen haben unsere wenigen Sorten jeweils nur wenige Inhaltsstoffe. Deswegen sind immer nur ein bis zwei Kräuter in den Rezepturen und ein ordentlich hoher Anteil Frischfleisch. Zu dieser Philosophie passt extrudiertes Futter, weil es die meisten Hunde und Katzen gut vertragen, es vernünftig lange ohne Konservierungsstoffe haltbar ist (2 Jahre bei uns ungefähr) und wir das Frischfleisch direkt mit in die Futtermischung geben können (und es nicht vortrocknen müssen oder ähnliches, was im Grunde bedeutet, dass eben kein Frischfleisch drin ist). Dieses Frischfleisch ist daher nicht „hochgerechnet“ aus Trockenfleisch oder Proteinpulver, sondern kommt tatsächlich frisch aus der Kühlung in die Maschine.

Die Temperaturen im Extruder erreichen bei uns ca. 125 Grad, v. a. während der Trocknung. Dabei gehen einige hitzelabile Vitamine kaputt oder werden inaktiv. Diese Verluste kennen wir vorher (weil sie immer ähnlich hoch sind) und wir gleichen diese durch die Zugabe künstlicher Vitamine aus (diese stehen unter dem Punkt „Zusatzstoffe“ auf dem Etikett). Ganz genau so, wie es die Hersteller kaltgepressten Futters auch machen, sofern sie ein Alleinfutter anbieten wollen. Nur eben etwas mehr. Dieser Nachteil, dass mehr künstliche Vitamine eingesetzt werden müssen, wird in unseren Augen durch die oben beschriebenen Vorteile mehr als ausgeglichen. Aus der Humanmedizin bzw. Lebensmittelkunde weiß man, dass künstliche Vitamine eher nicht so gut „wirken“ wie natürliche. Man hat also eher die Herausforderung, dass man mehr künstliche Vitamine braucht, um eine bestimmte Menge natürlich vorkommender Vitamine zu ersetzen.

Menschen, die andere Prioritäten setzen im Leben, können sicherlich zu anderen Ergebnissen kommen und andere Entscheidungen treffen, als wir. Das ist völlig in Ordnung und genauso „richtig“, wie es Menschen gibt, die unseren Argumenten folgen und sich hiermit wohlfühlen. Wenn Eure Hunde kaltgepresstes Futter vertragen und Euch Frischfleisch nicht so wichtig ist, dann spricht nichts dagegen, Euren Tieren ein solches Futter zu geben. Aber das beliebte und verträgliche Extruderfutter lassen wir uns nicht schlechtreden. Und behaltet im Hinterkopf: Diejenigen, die gurumäßig eine bestimmte Meinung bzw. Futterart zum Allheilmittel ausrufen (wie beispielsweise manche Fans des kaltgepressten Futters oder auch so mancher BARFer), liegen in jedem Fall daneben.

 

Ich wünsche Euch allen eine schöne Woche und hoffe, dass ich Euch hier jetzt wieder öfter meinen Senf aufs Extruderfutter schmieren kann. Oder von mir aus auch auf die kaltgepressten Pellets. 🙂

Euer Tierarzt Dr. Gregor Berg

 

 

P.S.: Ihr habt Themen, zu denen ich mal Stellung beziehen soll? Dann schreibt uns doch gerne eine Mail an info@dr-berg-tiernahrung.de. Dann schauen wir, ob da was geht …

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